Kommunalwerkstatt Biodiversität - in 3 Schritten zum Aktionsprogramm
"KomBi" fördert Ihre Kommunalwerkstatt
mit bis zu 15.000 €
Die Erfahrungen der kommunalen Biodiversitätsprojekte “Marktplatz der biologischen Vielfalt” (2018-2021) und “KomBi” (2023-2028) lassen erkennen, dass zwischen den Herangehensweisen ‘einfach machen’ und ‘kommunale Biodiversitätsstrategie’ eine Lücke für ein standardisiertes, pragmatisches, kurz- bis mittelfristiges Umsetzungsprogramm besteht.
Das Projekt “KomBi” sucht 8 kreisangehörige bayerische Modellkommunen, die bis Ende 2027 mit einer Kommunalwerkstatt ein solches Aktionsprogramm zum Schutz der lokalen biologischen Vielfalt erstellen. Je Kommune stehen 15.000 € Förderung für die Beauftragung eines Fachbüros zur Verfügung. Die Erfahrungen der ausgewählten Gemeinden, Märkte und Städte sollen zeigen, ob das Format geeignet ist, den Einstieg beziehungsweise die Weiterentwicklung des kommunalen Biodiversitätsengagements effizient und niederschwellig zu ermöglichen.
Steht Ihre Kommune am Anfang des Weges, die Lebensraum- und Artenvielfalt vor Ort zu stärken oder sucht Ihre Kommune nach neuen Impulsen? Dann bewerben Sie sich bis Freitag, den 14.08.2026 mit nebenstehendem Formular.
Detaillierte Informationen zur Kommunalwerkstatt sind im Verlauf dieser Seite für Sie zusammengestellt und für Rückfragen steht Ihnen das “KomBi”-Projektmanagement gerne zur Verfügung.
Was ist von einer Kommunalwerkstatt Biodiversität zu erwarten?
Die Werkstatt legt den Fokus auf kurz- bis mittelfristig realisierbarere Potenziale sowie Maßnahmen, die mit geringem bis mittleren Aufwand umgesetzt werden können. Das Ergebnis ist ein Aktionsprogramm, bestehend aus Maßnahmenübersichten für fünf Handlungsfelder: Offenland, Gewässer, Siedlung, Wald und Bewusstseinsbildung. Ein Übersichtsplan zeigt die lokalisierbaren Potenziale und Maßnahmen vor dem Hintergrund essentieller naturschutzfachlicher Daten.
Ziel 1: pragmatische Vorbereitung, um dann anzupacken
Das Aktionsprogramm erarbeiten Schlüsselpersonen und Interessierte aus der Kommune mit Mitarbeitenden von Behörden, Landschaftspflegeeinrichtungen (Landschaftspflegeverbände und Naturparke) sowie weiteren Fachstellen in einem kompakten Workshop. Auf diese Weise werden lokale und naturschutzfachliche Kompetenzen auf den Punkt zusammengeführt. Die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure erleichtert zudem die anschließenden Maßnahmenumsetzungen.
Ziel 2: interdisziplinäre Beteiligung, um Kompetenzen zu bündeln
Alle Beteiligten sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren und sich entsprechend ihrer jeweiligen Kompetenzen einbringen. Deshalb wird ein Fachbüro der Landschaftsplanung, Ökologie, Regionalentwicklung o.ä. mit der Durchführung der Prozessschritte und der Erstellung des Aktionsprogramms beauftragt.
Zentrale Aufgaben der kommunalen Verwaltung sind die Beauftragung des Fachbüros, Terminabstimmungen und Einladungen, Unterstützung bei der Datenbeschaffung sowie Mit-Organisation und Teilnahme am Workshop. Die kommunale Politik nimmt am Workshop teil und ermöglicht die Umsetzung des Aktionsprogramms nach Abschluss des Prozesses.
Ziel 3: externe Unterstützung, um produktiv am Wesentlichen zu arbeiten
Drei Leitplanken halten die Kosten für eine Kommunalwerkstatt im Rahmen:
- Die vorbereitende Analyse der naturschutzfachlichen Daten konzentriert sich auf die essentiellen Datenquellen und erfolgt mit dem Ziel eines fundierten Überblicks.
- Die Inhalte des Aktionsprogramms werden in einem effizienten Workshop von circa 4-stündiger Dauer und mit standardisiertem Ablauf erarbeitet.
- Das Programm besteht aus einer kurzen textlichen Einführung, fünf handlungsfeld-bezogenen Maßnahmenlisten und einem Übersichtsplan. Ein aufwändiges Layout, umfangreiche textliche Arbeiten und hohe Detailschärfe sind für die Einleitung praxiserprobter Umsetzungsmaßnahmen verzichtbar.
Ziel 4: Reduktion auf das Notwendige, um kosteneffizient zu sein
Wie läuft eine Kommunalwerkstatt ab?
Der Weg zum Aktionsprogramm führt grundsätzlich über drei Arbeitsschritte, die maßgeblich von einem Fachbüro übernommen werden. Ab Arbeitsbeginn des Büros sollte der Prozess innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein.
Im ersten Schritt werden essentielle naturschutzfachliche Daten für das Kommunalgebiet gesammelt und zu einem Überblick über die Ausgangslage zusammengefügt. Darin sollten folgende Quellen einbezogen werden.
- Biotop- und Artenschutzkartierung
- Arten- und Biotopschutzprogramm
- Schutzgebiete
- Landschaftsplan
- Landschaftspflegeflächen
- Ökoflächenkataster
- Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (KULAP und VNP)
- Gewässerstrukturkartierung und -entwicklungskonzept
- Kulissen des Naturschutzes (z.B. Artenhilfsprogramme, Vogelschutz, Bayern-Netz-Natur)
- Datenbanken für Artnachweise (z.B. Karla.Natur, iNaturalist)
Aus der Zusammenfassung dieser Daten werden einerseits Bereiche mit hoher Biodiversität und Defiziträume abgeleitet sowie andererseits Arten, Lebensgemeinschaften und Biotope mit besonderem Schutz- und Förderungsbedürfnis identifiziert. Über die kommunalen Eigentumsflächen werden zudem Bereiche mit hohem Potenzial für eigenständige Maßnahmen (= hoher Anteil kommunaler Flächen) sowie mit geringen kommunalen Gestaltungsmöglichkeiten ausgewiesen.
Teilnehmende
Die Inhalte des Aktionsprogramms werden von einer Gruppe aus örtlichen Schlüsselpersonen und Interessierten sowie Mitarbeitenden von Fachstellen erarbeitet. Zu einem circa vierstündigen Workshop werden Personen aus folgenden Bereichen eingeladen.
Ablauf
Der Workshop zur Erstellung des Aktionsprogramms kann in fünf Arbeitsphasen eingeteilt werden:
Vorstellung und Ergänzung des Datenchecks (15 min + 30 min)
Den fachlichen Auftakt des Workshops bildet die Vorstellung des Datenchecks im Plenum durch das Fachbüro. Daran anschließend vertiefen, ergänzen und korrigieren die Teilnehmenden die Analyseergebnisse.
Ziel: Die Gruppe erhält einen Überblick über die naturschutzfachlichen Voraussetzungen in der Kommune und wird zur aktiven Mitarbeit angeregt.
Maßnahmensammlung in festen Arbeitsgruppen je Handlungsfeld (60 min)
Mit einem gemeinsamen Grundverständnis für die Ausgangslage teilen sich die Teilnehmenden in Arbeitsgruppen je Handlungsfeld auf. Auf Plakaten werden Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt gesammelt. Der primäre Fokus liegt auf kurz- bis mittelfristig umsetzbaren Maßnahmen. Orte lokalisierbarer Vorschläge werden auf großformatig gedruckten Luftbildern gekennzeichnet.
Ziel: Die Beiträge der Teilnehmenden werden in Form von stichpunktartigen Maßnahmelisten dokumentiert. Die Ideengebenden werden für Rückfragen oder weiterführende Schritte bei den jeweiligen Vorschlägen vermerkt.
Freier Wechsel zwischen den Gruppen (30 min)
Sind die Vorschläge der ursprünglichen Gruppenmitlieder dokumentiert, wird die feste Zuordnung auf die HAndlungsfelder aufgelöst. Zielführend ist, je Handlungsfeld eine Person zu gewinnen, die die Weiterentwicklung der jeweiligen Maßnahmenkataloge betreut.
Ziel: Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit an mehreren Handlungsfeldern zu arbeiten, wodurch die Expertise und das Ideenpotenzial umfassender ausgeschöpft wird.
Zusammenfassung im Plenum (45 min)
Zurück im Plenum stellen die Stationspatinnen und -paten die Ergebnisse ihrer Handlungsfelder vor. Wichtige Beiträge zu präsentierten Punkten können in dieser Phase noch eingebracht werden.
Ziel: Die gesamte Gruppe erhält einen Überblick über die vorgeschlagenen Maßnahmen als Grundlage für die nachfolgende Priorisierung und Abfrage der Unterstützungsbereitschaft.
Priorisierung und Umsetzungsbörse (15 + 30 min)
Die Maßnahmenvorschläge werden priorisiert und zu den meistbewerteten Maßnahmen werden Unterstützungmöglichkeiten aus dem Kreis der Teilnehmenden abgefragt.
Ziel: Die Kommune erhält einen Vorschlag für die Priorisierung der Maßnahmen sowie Unterstützungsangebote.
Aktionsprogramm
Das Aktionsprogramm besteht im Wesentlichen aus fünf Maßnahmentabellen je Handlungsfeld. Hierfür wird ein bearbeitbares Format empfohlen, um Aktualisierungen und Weiterentwicklungen vornehmen zu können. Durch die Ergänzung von z.B. Flächenangaben, Zielen mit Meilensteinen, Zuständigkeiten, kalkulatorischen Kosten, Fördermöglichkeiten und Unterstützungsoptionen können die Tabellen zu einem umfassenden Arbeitsprogramm weiterentwickelt werden.
Übersichtsplan
Das Programm wird durch einen Übersichtsplan ergänzt. Dieser enthält naturschutzfachliche Grundlagen des Datenchecks sowie im Workshop erarbeitete, lokalisierbare Potenziale und Maßnahmen. Die Planinhalte werden der Kommune primär in digitaler Form zur Einbindung in das kommunale GIS (Geoinformationssystem) zur Verfügung gestellt. Gedruckte Pläne sind insbesondere für Außentermine eine sinnvolle Ergänzung.
Gespräche mit Schlüsselpersonen
Nicht immer gelingt es, alle relevanten Personen zum Workshop zusammenzubringen. Sind beispielsweise Expertinnen und Experten für Lebensräume und Arten, Mitarbeitende aus Fachstellen oder lokale Schlüsselpersonen nicht dabei, sollten diese in Einzelgesprächen oder in kleiner Gruppe nachträglich ihre Expertise einbringen.
Umsetzungsstrukturen
Wirksamkeit entsteht letztlich nur aus der Umsetzung des Aktionsprogramms. Es ist daher ratsam, bereits während der Erstellung des Programms am Aufbau oder der Weiterentwicklung finanzieller und personeller Voraussetzungen für Maßnahmenumsetzungen zu arbeiten. Nachfolgende Kriterien beeinflussen den Umsetzungserfolg maßgeblich.
- Jährliches Maßnahmenbudget “Biodiversität” im kommunalen Haushalt
- Personelle Verantwortlichkeit und Kapazität in der kommunalen Verwaltung und am Bauhof
- Einbindung bestehender Strukturen für Planung (z.B. Beratungsstellen an Behörden) und Umsetzung (z.B. Landschaftspflegeverband, Naturschutzverbände)
- Unterstützung von Umsetzungsinitiativen aus der Bürgerschaft
Für welche Kommunen ist eine Kommunalwerkstatt geeignet?
Die nachfolgenden Punkte sollen eine Orientierung geben, unter welchen Voraussetzungen eine Kommunalwerkstatt mit guten Erfolgsaussichten eingesetzt werden kann.
Die Kommune …
- ist hinsichtlich ihrer Einwohnerzahl von kleiner bis mittlerer Größe.
- ist in ihren Strukturen übersichtlich genug, dass gemeinsam am Gesamtgebiet gearbeitet werden kann und inhaltliche Arbeitsgruppen nicht zusätzlich nach Ortsteilen oder Quartieren aufgeteilt werden müssen.
- steht am Beginn ihres Einsatzes für die Biodiversität und benötigt sowohl eine Handlungsagenda als auch eine engere Vernetzung mit relevanten Akteurinnen und Akteuren
oder
sucht nach neuen Impulsen und Kooperationen zur Weiterentwicklung ihres Biodiversitätsengegements, nachdem schon einige Maßnahmen zum Einstieg umgesetzt wurden.
Für Gemeinden, Märkte und Städte, die sich eine tiefgehende Analyse, eine leitende Vision, langfristige Zielsetzungen sowie umfassende Maßnahmenkataloge erarbeiten möchten, könnte eine umfassende kommunale Biodiversitätsstrategie die richtige Option sein.